Predigten von Pastor i.R. Hans Geppert

Hans Geppert

Hans Geppert

Der Gott mit den drei Gesichtern

Meine Katze kann sich nicht vorstellen, dass Bayern München der beste deutsche Fußballverein ist. Sie kennt Mäuse, die sie fangen muss, weiß ihr Fell zu pflegen und sieht ihre Hauptbeschäftigung darin, in ihrem Körbchen zu liegen und zu schlafen. Fußball ist nicht ihre Welt. Oder sich den Kopf darüber zu zerbrechen, wie Griechenland vor der Pleite gerettet werden kann. Zu all dem und zu viel mehr, was uns Menschen beschäftigt und umtreibt, reichen ihre Vorstellungskraft und ihr Erkenntnisvermögen nicht aus.
Dazu ist, bildlich gesprochen, ihr Katzenkopf zu klein.
Unser Menschenkopf ist zwar etwas größer, aber für alle Erkenntnis auch nicht groß genug. Sich den lieben Gott vorzustellen, so, wie er wirklich ist, reicht auch unser Vorstellungsvermögen nicht. Wenn Gott Gott ist und nicht nur eine menschliche Phantasie, dann ist er, sie, es so anders, dass wir noch nicht einmal von ihm wüssten, er sie es hätte sich nicht von sich aus gezeigt. Hätte Gott sich nicht von sich offenbart, wir hätten nicht einmal eine Ahnung von Gott. Allenfalls kennten wir Bilder, Menschliches übermenschlich gezeichnet, die wir Gott, Götter oder göttlich nennen würden.
Gott aber zeigte sich im Traum, um zu mahnen. Er kam verhüllt in der Wolke, um den richtigen Weg zu weisen oder ließ die Sonnenuhr rückwärts gehen als Zeichen seiner Macht. Das Alte Testament ist voll solcher Geschichten, in denen sich Gott zeigt, nie ganz klar, immer etwas verhüllt und ein wenig verborgen, aber kenntlich als Gott. Kenntlich als der die das ganz Andere. Jenseits von Raum und Zeit, aber offenbart in Raum und Zeit.
Den ersten Christen war ein Mensch begegnet, in dem sich ihnen ihrer Überzeugung nach Gott gezeigt hatte – nicht mehr ein wenig verhüllt und noch etwas verborgen wie bei ihren Vorfahren, sondern klar und licht und deutlich. Jener Jesus aus Nazareth, das erzählen sie überall, zeige endgültig und ein für allemal wie Gott ist – gnädig, barmherzig und von großer Güte. So sehr ein Gott der Liebe, dass man ihn mit der Liebe gleichsetzen könne. Dieser Nazarener, ein Mensch wie sie selbst, sei Gott so nahe gewesen, dass er die Tür zum Himmel geöffnet habe. Begegnung mit ihm sei bereits ein Stück Himmel. Er konnte, was nur Gott konnte, Sünden vergeben. Er lebte, wie Gott wollte, dass Menschen leben sollen. Nicht einmal der Tod konnte ihm etwas anhaben.

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