Predigten von Pastor Christoffer Sach

Pastor Christoffer Sach

Pastor Christoffer Sach

 

 

 

 

 

 

Gottesdienst Michaelis – 13.Sonntag nach Trinitatis – 21.8.16 – 

Lesungen: 1.Joh.4,7-12 und Apg.6,1-7

Thema: Dienen in Wort und Tat – und sich dienen lassen!

Liebe Gemeinde, wann haben Sie das letzte Mal einen Diener gemacht? Für die Frauen gilt natürlich der Knicks. Wenn ich an mich denke, dann war das vielleicht als Kind, und dann wohl eher aus Spaß und im Spiel! Wobei, manchmal mache ich es heute noch, dann aber auch eher im Spaß.

In gehobenen Restaurants oder Hotels gibt es das wohl heute noch, aber es mutet doch eher merkwürdig an wenn das Gegenüber sich vor mir verneigt!

Einen Diener machen, Diener sein, sich zum Dienst bereit halten, es gibt mehrere Verwendungsmöglichkeiten, und der Sprachgebrauch ist unterschiedlich. Ich habe einmal bei „Wikipedia“ geschaut, so einer Art Lexikon im Internet, was dazu zu finden ist: „Ein Diener (auch Hausdiener oder Kammerdiener, beim Adel oft Leibdiener) ist im herkömmlichen Sinne ein Mitglied des Hausgesindes (veraltet: ein Domestike), der für seinen Arbeitgeber oder Dienstherrn bestimmte häusliche Pflichten erfüllt (…) Ein gewisses Vertrautheits- oder Vertrauensverhältnis und die Einhaltung zeremonieller, höfischer Etikette haben dabei stets eine große Rolle gespielt. Für Hausdiener, die direkten Kontakt mit ihrer Herrschaft hatten, waren Eigenschaften wie Höflichkeit, Treue, Aufrichtigkeit, Diskretion und Gehorsam wichtig“ (mit Stand vom 19.08.2016!).

„Häusliche Pflichten, Leibdiener, Gehorsam, Etikette“, das würde wohl heute kaum jemand über sich ergehen lassen. Eher stehen Freiheit und Selbstständigkeit im Mittelpunkt. –

In unserem Predigttext geht es auch um das Dienen:

„Die Gemeinde wuchs und die Zahl der Jünger und Jüngerinnen wurde immer größer. Da kam es – um eben diese Zeit – zu einem Streit zwischen den Griechisch sprechenden Juden in der Gemeinde und denen mit hebräischer Muttersprache. Die griechische Gruppe beschwerte sich darüber, dass ihre Witwen bei der täglichen Verteilung von Lebensmitteln benachteiligt würden.“

Hier geht es um eine Gemeinde, in der es einen Konflikt gibt! Die christlichen Gemeinde sind gerade am wachsen, breiten sich aus. Die griechischen Judenchristen leben in der Diaspora, weit weg von zuhause und die Frauen, deren Männer gestorben sind, haben kein abgesichertes Sozialsystem. Überhaupt waren die Witwen damals mit am schlechtesten gestellt in der Gesellschaft. Und scheinbar geht diese schlechte Behandlung bis in die Gemeinde hinein, denn die Witwen werden nicht berücksichtigt wenn es um die tägliche Versorgung geht, Essen und Trinken! Und hier erhebt sich ein Konflikt. In der christlichen Gemeinde wird das von einigen nicht hingenommen. Sie stehen dagegen auf. Sie „beschweren sich“. Luther übersetzt das mit „Murren“.  Dieses Murren wird gehört! Es passiert etwas, hören Sie einmal weiter: „Da riefen die Zwölf die ganze Gemeinde zusammen und sagten: `Es geht nicht an, dass wir die Verkündigung der Botschaft Gottes vernachlässigen und uns nur um die Verteilung der Lebensmittel kümmern`.“ –

Ich finde das interessant! Oft heißt es doch: ich will etwas tun, Gutes tun, Menschen helfen, aber ich kann nicht glauben. Und andersherum gibt es diejenigen, die in die Kirche gehen, beten, aber im wahren Leben dann ganz anders leben und mit Nächstenliebe nicht viel am Hut haben!

Hier ist das anders! Über die Mahlzeiten nicht das Wort Gottes vernachlässigen: das heißt doch, dass das zusammengehört: Das Helfen, der Dienst an den Menschen, hier konkret den Witwen, und die Verkündigung der Botschaft Gottes, also Gebet, Andacht und Gottesdienst.

So ist hier Dienen gemeint: „Mit Kopf, Herz und Hand“, wie das Pestalozzi einmal formulierte. Und so sagt das auch Martin Luther: „Dass wir auff zeit und ort, da wir des eines sind, zusammen kommen, nach gottes wort handeln und hören und gott unsere und anderer not vortragen und also ein starkes, kräftiges gebet gen himmel schicken!“ (WA 49, 549,24-28).

Also, hier wird nicht aufgespalten in Beten und Tun. Das gehört zusammen. Das Dienen, die „Diakonie“, so heißt das Wort im Griechischen, umfasst die ganze Dimension menschlichen Seins und Handelns. So wie wir es im 1.Johannesbrief gehört haben, einem der für mich wunderbarsten Texte der Bibel: „Lasst uns einander lieben, denn die Liebe ist von Gott.“

Beten und Tun nicht aufgespalten. Das Eine nicht ohne das Andere. Wie das der Wochenspruch so eindringlich auf den Punkt bringt: „Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

Fulbert Steffensky hat das einmal so ausgedrückt: „Was ist eine spirituelle Erfahrung?“, so fragt er! Und er sagt: „Es ist die Erfahrung der Augen Christi in den Augen des Kindes. Es ist die Erfahrung der Nacktheit Christi im nackten Bettler; die Erfahrung des hungernden Christus im Hunger unserer Geschwister. Wer in Gott eintaucht, taucht neben den Armen wieder auf.“ –

Wobei, das kann auch unerfüllbar werden. Gerade in der Kirche sind viele Menschen unglaublich aktiv. Manchmal bis an die Belastungsgrenze. Wenn jeder alles tut, dann kommen wir schnell zun sog. Burnout, dann brennen wir aus. Gerade in sozialen Diensten, gerade wenn wir dauernd dienen. Deshalb ist Arbeitsteilung sinnvoll. So eine Arbeitsteilung haben die Christen dieser frühen Gemeinde praktiziert. Hören wir nochmal den Predigttext: „Darum, liebe Brüder, wählt aus eurer Mitte sieben Männer aus, die einen guten Ruf haben und vom Geist Gottes und von Weisheit erfüllt sind. Ihnen wollen wir diese Aufgabe übertragen. Wir selbst werden uns auch weiterhin mit ganzer Kraft dem Gebet und der Verkündigung der Botschaft Gottes widmen. Alle waren mit dem Vorschlag einverstanden. Sie wählten Stephanus, einen Menschen voll lebendigen Glaubens und erfüllt vom Heiligen Geist; außerdem sechs weitere Menschen. Diese sieben brachten sie zu den Aposteln. Die beteten für sie und legten ihnen die Hände auf. Die Botschaft Gottes aber breitete sich weiter aus. Die Zahl der Glaubenden in Jerusalem stieg von Tag zu Tag. Auch viele Priester folgten dem Aufruf zum Glauben.“ –

Jeder tut an seinem Ort das Beste was er oder sie kann! Aber nicht so, dass ich das Ganze aus dem Auge verliere, sondern so, dass ich dem Ganzen diene!

Wir haben hier in Michaelis so viele Menschen, die sich engagieren, ehrenamtliche Kreise, die großartige Arbeit für Flüchtlinge, die weit über unsere Gemeinde hinaus Aktivitäten freisetzt. Das Erzählcafé, Spielen und Klönen, das Projekt „Neugraben fairändern“, das ausdrücklich mehr Gerechtigkeit im Stadtteil und in der Welt schaffen möchte. Das Nepalteam und so vieles mehr.

Das sind alles Kreise, die sich ganz unterschiedlich engagieren. Da sind viele Dienste: Frauen und Männer, Alte und Junge, Teamer, Ehrenamtliche, Küster, Pastoren, Diakone und und und.

Jeder kann nicht alles machen, auch wenn das manchmal so scheint! Aber jeder kann bei dem, was er tut und was er oder sie am besten kann, dem Ganzen dienen, sich als ein Teil des Ganzen verstehen. Denn letztlich sind wir ja alle eins. Wie in dem Lied, das wir eben gesungen haben: „Strahlen brechen viele aus einem Licht… Dienste gibt es viele, Liebe vereint“ (Ev.Gesangbuch, Nr. 268).

Wir alle dienen doch der einen Sache: Den Menschen, einer besseren Welt, dem Frieden. Wir tun es nicht für uns, weil wir groß dastehen wollen. „Der Größte unter euch soll euer Diener sein“, so sagt es Matthäus (23,11). –

Wann haben Sie das letzte Mal einen Diener, einen Knicks gemacht, so habe ich am Anfang gefragt!

Ihr Lieben, ich möchte uns alle vor unserem Dienst an DEN erinnern, der uns die Kraft zum Dienst gibt. Mehr noch: Der uns zuerst geliebt hat. Der uns seine Liebe geschenkt hat. D.h.: der unser Diener wurde. Der sein ganzes Leben in den Dienst Gottes für uns Menschen stellte. Deshalb können wir uns in unserem Dienst an diesen Dienst für uns erinnern. Dass wir nicht ausbrennen, sondern uns auch mal dienen lassen. Eine Pause machen. Dass wir uns in allem, was wir tun, an die Mitte erinnern, aus der wir die Kraft dazu bekommen. Aus dieser Kraft heraus müssen wir niemandem unterwürfig sein. Das, was wir tun, tun wir aus freien Stücken. Ohne Etikette. Von Herzen. Wir können aufrecht gehen und uns dabei umso mehr hinunterbeugen zu dem, der unseren Dienst braucht. Wir können unsere Kräfte sensibel und achtsam einsetzen für andere. Mit unseren „Augen, Ohren, Worten, Händen und Füßen“, wie wir das gleich im nächsten Lied singen (Ev.Gesangbuch, Nr.432).

Für mich heisst das: Freud und Leid mit Menschen teilen. „Lachen mit den Lachenden und Weinen mit den Weinenden“ (Röm.12,15), wie Paulus das sagt.

Gott gab uns den „Atem“ für alles. Wir können aus seinem Geist heraus, mit langem Atem, uns verwandeln lassen, diese Erde verwandeln und neu ins Leben gehen. AMEN

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