1. Teil von Hans Avenriep

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Die Geschichte unserer Kirchengemeinde beginnt mit der Anlage eines gemeindeeigenen Friedhofs im Jahre 1948.
Nach der Gründung einer Friedhofsgemeinschaft unter dem Vorsitz des 1961 verstorbenen Schulleiters Gustav Böttcher und unter aktiver Beteiligung der drei politischen Gemeinden Ehestorf-Alvesen, Sottorf und Vahrendorf wurde das zwei Morgen große Waldgrundstück am Osthang des Kiekeberges erworben.
Bereits am 3. März 1948 konnte mit der 1. Bestattung die Einweihung der Friedhofsanlage erfolgen.
Es folgten Umbettungen von den Friedhöfen in Sinstorf und Hittfeld. Die kirchliche Betreuung wurde weiterhin von den Pfarrämtern in Sinstorf und Hittfeld (Sottorf) wahrgenommen.
Der sonntägliche Gottesdienst fand in der Schule Vahrendorf statt.
Nach weiterem Ausbau der Friedhofsanlage wurde 1952 die Friedhofsgemeinschaft aufgelöst, und die Kirchengemeinde Sinstorf übernahm die Trägerschaft des Friedhofs.
Unter Mitwirkung des Ev.-luth. Gesamtverbandes Harburg konnte im gleichen Jahre eine Gemeindeschwesternstation in Vahrendorf errichtet werden, die seit dem 01.11.1952 mit der Diakonisse Irma Franke – Amelie Sieveking-Haus, Hamburg-Volksdorf – besetzt ist.

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Im folgenden Jahre, als Marmstorf zu einer selbstständigen Kirchengemeinde und die Pfarrstelle mit Pastor Friedrich Kunst besetzt wurde, übernahm er auch gleichzeitig im April 1953 die kirchliche Betreuung Vahrendorfs (in den Grenzen des Schulverbandes).
Von diesem Zeitpunkt an wurde der Wunsch nach einer eigenständigen Gemeinde mit entsprechendem Raumprogramm immer stärker.
Dank der Aktivitäten der Geistlichen Pastor Kunst und Pastor Hagemann und des Architekten Hans Schmidt konnte bereits am 20.11.1955 die feierliche Grundsteinlegung zum Kapellenbau oberhalb des Friedhofes stattfinden.
Schon zwei Monate später – am 30.01.1956 verkündete die Richtkrone das Richtfest auf dem Kiekeberg.
Zu einem wahren Freudentag für die junge Kapellengemeinde wurde der Sonntag der Kirchweihe am 3. Juni 1956. Dieser besondere Tag begann mit einem feierlichen Abschied von der Schule, der bisherigen Gottesdienststätte.
In einem langen „Festzug“ schritt die Gemeinde zur Weihe des neuen Gotteshauses, die vom Landessuperintendenten Dornblüht vorgenommen wurde.

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Der Festgottesdienst wurde getragen von Superintendent Witte, den Pastoren Hagemann und Kunst unter Mitwirkung von Schüler- und Posaunenchor und des Organisten O. Schulz.
Durch die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten und die Spendenfreudigkeit der Gemeindeglieder wurde der Bau dieser würdigen Kapelle möglich.
Die Glockenspende der drei politischen Gemeinden legte insbesondere davon Zeugnis ab.
Die künstlerische Innenausstattung lag in den Händen des Goldschmiedemeisters Stuhlmüller.
Nachdem das Landeskirchenamt mit Wirkung vom 1. November 1956 die Bildung der Kapellengemeinde Vahrendorf mit den Ortschaften des Schulzweckverbandes genehmigt hatte, vollzog sich auch die Herauslösung Sottorfs aus dem Kirchenkreis Hittfeld.
Am 09.12.1956 wurde der 1. Kapellenvorstand, bestehend aus vier Mitgliedern und vier Stellvertretern, gewählt.
Auf Antrag des Kapellenvorstandes wurde vier Jahre später – am 23.11.1960 – die Kapellengemeinde zur Kirchengemeinde erhoben, die aus Vorschlägen der Gemeinde den Namen „Evangelisch-lutherische Erlöser-Kirchengemeinde“ erhielt.
In der Frage eines Kirchensiegels entschied sich der Kirchenvorstand auf Vorschlag von Pastor Kunst für einen Entwurf, der als markantes Merkmal neben dem Kreuzeszeichen das altchristliche Symbol des Fisches zeigte.
Dabei sei daran erinnert, dass der o.g. Kunsthandwerker für den Türgriff an der Kirche diese Form eines Fisches wählte.
Die folgenden Jahre standen ganz im Zeichen der Bemühungen, mit der Errichtung einer Pfarrstelle und deren Besetzung die Eigenständigkeit der jungen Kirchengemeinde weiter auszubauen.
Mit Unterstützung des Ev.-luth. Gesamtverbandes Harburg gelang es 1961, zum Zwecke der Erstellung eines Gemeindezentrums ein günstig gelegenes Grundstück von gut 8000 qm Größe an der nördlichen Bebauungsgrenze Vahrendorfs unweit der Kirche zu erwerben.
Die pfarramtliche Verbindung der Erlösergemeinde mit der Auferstehungsgemeinde in Marmstorf blieb weiterhin bestehen.
Treu und aufopferungsvoll versah Pastor Kunst seinen aufzehrenden Dienst in beiden Gemeinden ein volles Jahrzehnt bis zu seiner frühzeitigen Pensionierung am 1. Januar 1964.
Dem ehrwürdigen Seelsorger war kein geruhsamer Lebensabend vergönnt, denn bereits am 5. Oktober desselben Jahrs wurde Pastor i.R. Friedrich Kunst unter großer Beteiligung vieler Gemeindeglieder zu Grabe getragen und auf dem Friedhof in Vahrendorf beigesetzt.

Im Nachruf der Kirchenvorstände heißt es: „Seiner aufopfernden Tätigkeit im Dienste des Herrn gebührt stille Verehrung und inniger Dank.“
Nachdem das LKA der Errichtung einer Pfarrstelle in Vahrendorf zugestimmt hatte, konnte sie nach einer kurzen Vakanz mit Pastor Paul Freytag aus Wieda/Südharz – Braunschweigische Landeskirche – besetzt werden. Die Einführung erfolgte am 05.04.1964 durch Superintendent Stein. Ein gemieteter Neubau in Sottorf diente als vorläufiges Pastorat. Von diesem Standort aus begannen die intensiven Vorbereitungen für den Neubau eines Pfarrhauses auf dem kircheneigenen Grundstück. Mit Ablauf des Mietvertrages konnte Familie Freytag am 14.12.1967 ihren Einzug ins neue Pfarrhaus halten.
Damit war der erste Bauabschnitt des langersehnten Gemeindezentrums erfolgreich zum Abschluss gekommen.

In der Zwischenzeit hatte die Spendenaktion zur Beschaffung einer größeren Orgel einen hohen Gemeindeanteil erbracht, so dass am 17.10.1965 die feierliche Einweihung stattfinden konnte. Den Organistendienst versah nach Fortzug des Organisten O. Schulz Frl. Heidemarie Avenriep.
Anlässlich der Kirchenvisitation am 09.05.1971 regte Superintendent Stein an, in den Sommermonaten in der Erlöserkirche regelmäßig Kirchenkonzerte zu veranstalten. Die Anregung fand ein gutes Echo, und so wurden in den folgenden Jahren die Kirchenmusiken am Kiekeberg zu gutbesuchten Veranstaltungen.

Nach einsatzfreudiger Tätigkeit verließ Pastor Freytag am 15.01.1972 auf eigenen Wunsch die Erlöser-Kirchengemeinde, um in der Militärseelsorge – Standort Neumünster – tätig zu werden.

Während der halbjährigen Vakanzzeit wurden die Planungen zum Bau eines dringend notwendigen Gemeindehauses fortgesetzt. Zum 01.08.1972 konnte die Pfarrstelle mit Pastor Hans Gerdts aus Hamburg- Horn besetzt werden; am 13.08.1972 erfolgte die Einführung durch Superintendent Stein.
Nun konnte der langgehegte Wunsch nach Vollendung des Gemeindezentrums in Erfüllung gehen.
Die Bauarbeiten am zukünftigen Gemeindehaus gingen zügig voran, und so konnte im folgenden Jahre – am 28.10.1973 – das Gemeindehaus eingeweiht und durch Landessuperintendent Andersen seiner Bestimmung übergeben werden.
Als Stätte der Begegnung für jung und alt schloss sich an den Tag der Einweihung eine Festwoche mit reichhaltigem Programm an. Nun war das Provisorium mit Behelfsräumen überstanden.
Besonders erfreut waren die Jüngsten der Gemeinde, die nun ihre Spielstunden in kinderfreundlichen Räumen verbringen können. Da die Spielkreise sich eines starken Zuspruches erfreuen, bemüht sich der Kirchenvorstand in Zusammenarbeit mit der politischen Gemeinde „Rosengarten“, auf dem früheren Kirchengrundstück einen Kindergarten mit Spielplatz zu errichten.
Die Verwirklichung dieses Projektes in naher Zukunft wird den Schlussstein zum kirchlichen Gemeindezentrum setzten.

… zum zweiten Teil von Horst Schönrock